Warum Stress krank macht

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gestresste Frau
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Immer häufiger kann Stress krank machen. Im digitalen Zeitalter wird der Begriff Stress immer öfter genutzt. Weit verbreitet wird insbesondere über beruflichen Stress geklagt, dabei bildest Du bestimmt keine Ausnahme. Dauerhafter Stress kann krank machen und führt vielfach zu Arbeitsausfällen mit einem erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden. Außerdem wird das Wohlbefinden vieler Betroffener dadurch nachhaltig gestört. Als Auslöser für die körperlichen und seelischen Beschwerden kommen zahlreiche Ursachen in Betracht. Grund genug, einmal näher zu hinterfragen, welche Stressauswirkungen krank machen.

Stress ist eine körperliche Reaktion auf eine erhöhte Anforderung. Dadurch soll kurzfristig die Leistungsfähigkeit des Organismus mithilfe der Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin erhöht werden. Dadurch werden die Muskeln aktiviert und bei beschleunigtem Herzschlag steigt der Blutdruck.

Diese positive, zeitlich begrenzte Stressform wird jedoch im Regelfall nicht krank machen. Bei andauerndem Stress wächst dagegen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Diese wichtige Grenzziehung zwischen positivem und negativem, krank machendem Stress kann aufgrund der persönlichen Verfassung sowie durch das individuelle Empfinden einer Belastung unterschiedlich verlaufen. Wenn Du beispielsweise eine Fahrt mit einer Achterbahn als gefährlich ansiehst und ablehnst, würde eine Fahrt damit trotz dieser Bedenken wahrscheinlich negativen Stress bei Dir auslösen. Erfüllt eine solche Fahrt jedoch den von Dir gewünschten Nervenkitzel und Du bist dies gewohnt, kann sich die Anspannung stimulierend und positiv darstellen. Möglicherweise bilden sich dabei sogar Glückshormone. Es spielt eine Rolle, wie sicher Du dich dabei fühlst und dass Du ohne Vorbehalte die Fahrt antrittst.

Gesundheitsverträglich und leistungsfördernd ist ein ausgewogener Wechsel von stressbedingter Anspannung und Entspannung. Es wird Dir bekannt vorkommen: Zielführende Schlagwörter zur Vermeidung von Stress sowie zum Umgang damit sind derzeit Work-Life-Balance, Stressbewältigungstraining oder höhere Achtsamkeit.

Stressauslösende Faktoren

Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dauert es nicht mehr lange, dass Burn-out die Nr. 1 bei den berufsbedingten Erkrankungen darstellt. Damit werden Rückenleiden auf den zweiten Platz verdrängt. Hinter dem Begriff Burn-out verbergen sich überwiegend stressbedingte Überlastungen. Dazu zählen Arbeitsüberlastungen, Zeitdruck, Ärger mit Vorgesetzten und Arbeitskollegen (Stichwort Mobbing) und vieles andere mehr. Entscheidend ist dabei der lange Leidenszeitraum.

Eine längere Konfliktsituation in einer Partnerschaft oder der Kindererziehung kann sich ebenso als negativer Stress darstellen. Stress kann außerdem krank machen, wenn über lange Zeit Sorge um den Arbeitsplatz sowie durch einen Arbeitsplatzverlust besteht. Zu einer erheblichen Belastung können auch andauernde Geldsorgen sowie der plötzliche Verlust oder die schwere Erkrankung eines nahestehenden Menschen führen. Stress kann auch durch ständige Erreichbarkeit und eigenverursachten Termindruck krank machen.

Stressoren
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Wie Du sicherlich weißt, verfügen alle Handys und Computer über eine Abschaltmöglichkeit, die zu selten genutzt wird. Du kannst regelmäßig überflüssigen Stress verspüren, wenn Du morgens eine viertel Stunde zu spät aufstehst und die Zeit jeweils durch Rekordraserei mit Deinem Pkw aufholen möchtest. Vom erhöhten Unfallrisiko ganz zu schweigen. Eine falsche Tagesplanung und Ernährung können auf Dauer ebenfalls krank machen. Wer sich Besuch einlädt, sollte mit den dazu notwendigen Vorbereitungen nicht hektisch kurz vor dem Eintreffen der Gäste beginnen. Zu wenig Zeit zum Essen und späte, üppige Abendessen bedeuten ebenfalls Stress. Der anschließende Schlaf ist wenig erholsam. Dadurch werden Leistungsfähigkeit, Konzentration und Laune am nächsten Tag beeinträchtigt. Durch die zu geringe Ausschüttung des appetithemmenden Hormons Leptin während des Nachtschlafs meldet sich außerdem höchstwahrscheinlich unkontrollierter Heißhunger. Eine schlechte Schlafqualität kann auf Dauer krank machen.

Körperliche und seelische Warnsignale als Rote Karte

Eine länger anhaltende Höchstleistung durch körperliche Stressreaktionen führt zu Verschleißerscheinungen und kann krank machen. Auf diesen chronischen Anspannungszustand können verschiedene Symptome warnend hinweisen. Da sie nicht spezifisch sind, werden sie häufig erst spät als Stressfolge zugeordnet. Die Anzeichen können sich unterschiedlich durch Gefühle und Verhalten bemerkbar machen. Dazu zählen:

• Schwindel

• Gereiztheit

• Erschöpfung

• Magen- und Darmprobleme

• Muskuläre Beschwerden

• Schlafstörungen

• Konzentrationsprobleme

• Innere Unruhe

• Schlechte Laune

Um Erkrankungen zu vermeiden, solltest Du die Stress-Symptome möglichst erkennen und ernst nehmen. Stressauslösende Faktoren solltest Du nach Möglichkeit beseitigen oder reduzieren. Zur Entlastung und Entspannung können außerdem Techniken zum besseren Stressumgang erlernt werden. Hilfreich ist außerdem eine bessere Organisation in der Lebensführung sowie eine Verbesserung der allgemeinen Leistungsfähigkeit durch gesunde Ernährung und verstärkte Bewegung.

Formen stressbedingter Erkrankungen

Alarmsignale nicht ignorieren

Werden die auf negativen Stress hindeutenden Alarmzeichen zu lange ignoriert, können sich Erkrankungen bilden. Beim Stressphänomen kommt es zu einer verstärkten Aktivität des körpereigenen Immunsystems. Zur Entzündungsabwehr werden in erhöhtem Maße Immunstoffe gebildet. Diese bewirken eine Ausschüttung des entzündungshemmenden Hormons Cortisol. Dieser Schutzmechanismus soll für eine automatische Regulierung bei körperlichen Entzündungen sorgen.

Bei chronischem Stressverlauf wird dieser natürliche Abwehrmechanismus des Körpers geschwächt. Auf zusätzliche Angriffe von außen wie durch Viren, Bakterien und Pilze reagiert das Immunsystem nur noch eingeschränkt. Aufgrund dieses geschwächten Abwehrverhaltens kann es daher leichter zu Virusinfektionen kommen. Außerdem können sich verstärkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen einstellen.

Ältere Menschen trifft es schneller

Stressfolgen können ältere Menschen besonders schnell krank machen. Durch altersbedingten Verschleiß sowie Veränderungen des Stoffwechsels können stressbedingte Funktionsstörungen des Immunsystems schneller zu Erkrankungen führen. Dauerstress kann auch zu seelischen Erkrankungen wie Depressionen, starke Angst und Unruhe oder Tinnitus führen. Ein dauerhaft überhöhter Pegel von Stresshormon kann zur Folge haben, dass sich Nervenzellen im Hippocampus, einer wichtigen Schaltstelle des Gehirns, zurückbilden. Dadurch kann der Entspannungsmechanismus beeinträchtigt werden. Als stressbedingte Erkrankungen können je nach persönlicher Anfälligkeit und Stressart weitere Erkrankungen in unterschiedlicher Intensität auftreten:

• Magen- und Darmprobleme wie Magengeschwüre, Magenschleimhautentzündungen oder Zwölffingerdarmgeschwüre

• Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen, Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen

• Kopfschmerzen wie Migräne und Spannungskopfschmerzen

• Viruserkrankungen wie Gürtelrose oder Lippenherpes

• Hauterkrankungen wie Neurodermitis

• Verstärkung von Asthma, Allergien, Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion

• Rückenschmerzen durch muskuläre Verspannungen

• Adipositas

• Deutlich erhöhter Cholesterinspiegel und Blutzuckerspiegel

• Hörsturz

• Potenzstörungen/Impotenz

Mann mit Stresssymptomen
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Interessant sind die unterschiedlichen Reaktionen von Frauen und Männern zu Stressfolgen. Männer reagieren stressbezogen überwiegend aktiv. Sie versuchen selbstbewusst die stressbedingten Auswirkungen durch erzielte Erfolge nach außen zu rechtfertigen. Gleichzeitig versuchen sie, die Stressoren ohne Auswirkungen auf den gewünschten Erfolg zu reduzieren.

Frauen reagieren mehr passiv durch Selbstvorwürfe, Selbstmitleid oder Depressionen. Sie suchen nach Unterstützung durch andere oder flüchten sich in die Resignation. Dieses Verhalten kann körperlich wie seelisch krank machen. Du solltest in jedem Fall alle Möglichkeit zur ausgleichenden Entspannung und Verringerung von Stressfaktoren ausprobieren. Reicht dies nicht aus, bietet sich professionelle Hilfe an, damit Dich Stressfolgen nicht krank machen.

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