Wie digitaler Stress unser Leben beeinflusst

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Digital gestresste Frau
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Durch die rasant voranschreitende Digitalisierung profitiert unser Arbeitsleben. Allerdings gehen mit der Digitalisierung auch viele Risiken und Nachteile einher. Es treten viele rasante Änderungen des Beanspruchungsprofils von Arbeitnehmern auf, doch die meisten wissen nicht, wie sie mit dem Stress umgehen sollen. Die Folge: digitaler Stress.

E-Mails nehmen schon lange überhand, das neue Betriebssystem ist ein einziges Rätsel und der Chef macht immer mehr Stress. Wer diese Umstände nur allzu gut kennt, empfindet mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit digitalen Stress. 25- bis 34-Jährige empfinden durch die neue Technik größere Belastungen als die älteren Kollegen. Es zeigt sich weiters, dass Frauen gestresster sind als Männer.

Mehrere Studien zeigen, dass es notwendig wird, Mitarbeiter vor digitalen Stress zu schützen. Allerdings steht das Thema bei vielen Betrieben und Firmen nur selten auf der Agenda des Arbeitsschutzes. Verlängerte Arbeitszeiten sind auch ein wesentlicher Grund für digitalen Stress. Es wird endlich Zeit aktiv zu werden, die Folgen lassen sich bereits jetzt nachweisen.

Digitaler Stress – Die wichtigsten Studienergebnisse auf einem Blick

Aus der Studie gehen folgende Kenntnisse hervor:

  • 68 % der Arbeitnehmer checken selbst nach Dienstschluss berufliche E-Mails oder führen Telefongespräche mit Geschäftspartnern.
  • 59 % der Arbeitnehmer verspüren die Kombination von Berufs- und Privatleben als Belastung.
  • 69 % der Arbeitnehmer vertreten die Meinung, dass ihr Betrieb oder ihre Firma über keine ausreichende Digitalstrategie verfügt.

Digitaler Stress – Was sind die Ursachen?

  • Berufliche Tätigkeiten werden immer öfter außerhalb der regulären Arbeitszeiten durchgeführt, was folglich zu einer deutlichen Verlängerung der Arbeitszeit führt.
  • Wer permanent auf seine Arbeit zugreift, findet nur sehr schwer ein Ende und hält somit nur selten Ruhezeiten ein.
  • Auf Dauer kann die permanente Erreichbarkeit Stress verursachen.
  • Die Überforderung kann zu psychischer Ermüdung, ermüdungsähnlichen Zuständen bis hin zu völliger Erschöpfung führen.
  • Regelmäßige und andauernde Überlastung kann im schlimmsten Fall zu Ausfällen führen. Erste Anzeichen sind dabei innere Unruhe, Schlafstörungen oder sogar Antriebslosigkeit.

Digitaler Stress – So wehrst Du Dich richtig

Smartphone, E-Mail und Co fordern unsere ständige Aufmerksamkeit. Es ist beinahe so, als raubte das Handy unseren Verstand. Wer kennt es nicht, wenn das Handy vibriert, wollen wir sofort wissen, was das Handy von uns will. Dabei ist es egal, ob man gerade ein Gespräch mit dem Kunden vorbereitet oder ob man mit seinem Partner bzw. mit seiner Partnerin im Restaurant sitzt. Wie ein dressierter Hund hören wir, wenn unser Telefon uns ruft.

Digitaler Stress
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Doch woher kommt der hohe Stellenwert des Handys? Warum schenken wir den digitalen Medien so viel Aufmerksamkeit? Die Antwort ist denkbar einfach. Es hat damit zu tun, wie wir Mensch ticken. Die modernen Medien stimulieren zwei überlebensnotwendige Grundbedürfnisse. Einerseits die menschliche Neugier und unsere Sehnsucht nach menschlichen Kontakt. Jedes Vibrieren, Klingeln, Blinken usw. zeigt uns, dass eine interessante Botschaft auf uns wartet. Darüber hinaus wird eine kleine Menge des Botenstoffs Dopamin im Belohnungserwartungs-System unseres Gehirns freigesetzt.

Digitaler Stress – Antrainierter Zwang mit Nebenwirkungen

Dopamin dient im Körper als Glückshormon. Es hat auf den Körper einen motivierenden Effekt. Durch die Ausschüttung des Botenstoffs, spüren wir eine positive aber dennoch leichte Erregung. Wenn das Handy klingelt, vibriert oder sonst was macht, wird das Verhalten automatisiert. Dopamin verstärkt den Lernprozess. Am Ende dieses Prozesses werden wir unruhig, wenn für ein paar Minuten nichts Neues eingetroffen ist. Dieser selbst erlernte Automatismus hat allerdings Nebenwirkungen, die man nicht vernachlässigen sollte. Es führt zu ständiger Selbstunterbrechung, zu massiven Konzentrationsstörungen, Ermüdung aber auch zu nachlassender Produktivität.

Viele glauben trotzdem, dass alles gleichzeitig stattfinden kann. Aufs Handy schauen, E-Mails checken und arbeiten. Doch diesen Mythos hat die Wissenschaft schon lange widerlegt. Multitasking ist nichts Weiteres als ein weit verbreiteter Mythos.

Multitasking Stress
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Nun, da wir geklärt haben, was digitaler Stress ist und wie er entsteht, müssen wir nun die Frage beantworten, wie man sich dagegen wehrt. Sind wir etwa dem Zusammenspiel von digitalen Medien und Dopamin ausgeliefert? Digitaler Stress bewirkt dieselben Mechanismen wie eine Sucht. Die effektivste Möglichkeit, um digitalen Stress zu vermeiden, ist Selbstdisziplin. Wir sollten also an der Impulskontrolle arbeiten. Es gilt den Zwang abzuschalten, auf jede Regung auf das Handy zu schauen.

Selbstdisziplin und Kontrolle lassen sich durch diese Methode direkt aber auch indirekt antrainieren.

Die Bestandsaufnahme

Im ersten Schritt muss man sich jeder selbst auf den Prüfstand stellen. Wann fällt es Dir besonders schwer, sich auf nur eine Aufgabe zu konzentrieren? In welchen Situationen lässt Du Dich besonders schnell ablenken? Bei den meisten Menschen ist das der Fall, wenn sie gelangweilt oder einfach müde sind. In solchen Situationen verabschiedet sich viel zu oft die Selbstdisziplin. Dennoch gilt es gerade hier, dass man streng ist und zu sich selbst „Stopp! Jetzt nicht“ sagt, nur so kann man die Selbstdisziplin zu trainieren. Umso öfter man es macht, desto einfacher wird es.

Mache 15 Minuten Übungen

Die Selbstdisziplin lässt sich hervorragend mit 15-Minuten-Übungen trainieren. Sie funktioniert im Grunde wie die Pomodoro-Technik. Nimm eine Küchenuhr zur Hand und stoppe 15 Minuten. In dieser Zeit konzentrierst Du Dich ausschließlich auf die Aufgabe. Sobald Gedanken, wie ich schaue nur ganz kurz nach, ob ich neue Nachrichten habe, muss man streng zu sich selber sein und Stopp sagen. Stattdessen widmest Du Dich der Aufgabe. Nach diesen 15 Minuten legt man eine kurze Pause ein und gönnt sich eine kleine Belohnung. Durch regelmäßige Übungen bemerkst Du schon nach kurzer Zeit die ersten Fortschritte.

Überdenke die innere Haltung

Das reflexartige Überprüfen, ob neue Nachrichten eingegangen sind, ist pures Gift für Selbstdisziplin und somit absolut unproduktiv. E-Mails, SMS oder andere Nachrichten enthalten nur in den wenigsten Fällen etwas wirklich Dringendes. Daher solltest Du Deine neuen Nachrichten nur checken, wenn Du auch wirklich Zeit hast. Während des Überprüfens solltest Du außerdem genug Zeit haben, die Nachrichten zu bearbeiten. Schauen kostet nur Energie und lenkt ab. Effizientes Arbeiten ist das definitiv nicht.

Digital detox
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Viel effizienter ist es, wenn man seine Neuigkeiten nur zu festgelegten Zeiten überprüft. Diese digitalen „Öffnungszeiten“ machen es einfacher nicht jedem Impuls nachzugehen.

Es ist wichtig, denn anderen Mitarbeiter und Kunden mitzuteilen, zu welchen Öffnungszeiten Du Deine Nachrichten lesen wirst. Dabei solltest Du begründen, warum Du das tust. Hierbei kannst Du erzählen, dass Du Wert auf Deine Arbeiten legst und diese nur liefern kannst, wenn Du Dich nicht permanent ablenken lässt.

Leitlinien aufstellen

Feste Regeln können ebenfalls helfen, die Selbstdisziplin zu trainieren. Du musst Dir innere Leitlinien vorgeben. Diese können zum Beispiel sein, dass Du kein Handy im Bett verwendest, kein Handy am Esstisch, kein Handy bei Gesprächen, etc. In diesen Situationen wird das Handy bewusst weggelegt und auf lautlos geschaltet. Das trainiert die Selbstdisziplin enorm.

Indirektes Training der Impulskontrolle

Auch indirekt lässt sich die Selbstdisziplin antrainieren. Yoga, Pilates, Achtsamkeitsübungen, progressive Muskelentspannung, etc. – diese Möglichkeiten helfen, die Kontrolle in den Griff zu bekommen. Hierbei musst Du Dich bei all diesen Methoden zwingen, Deine Konzentration auf die Übung zu richten. Gleichzeitig entspannst und erholst Du Dich sehr effektiv vom digitalen Stress.

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