Wie sich Stress auf Kinder auswirkt und was Eltern dagegen tun können

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Gestresster und überforderter Junge ist geschockt, Qualm kommt ihm aus den Ohren
©Jean Kobben / Fotolia.com

Stress bei Kindern

Wir Erwachsenen sind oft gestresst. Die vielen Aufgaben auf der Arbeit, private Termine und seit wir Kinder haben sind noch jede Menge zusätzliche Herausforderungen. Doch gestresste Kinder? Ja, denn der Stress ist längst auch im Kinderzimmer angekommen. Kinder, die frei und unbeschwert außen im Wald spielen, gehören wohl eher zu den klassischen Wunschvorstellungen. Stattdessen geht der Druck oft schon im Kindergarten los. Fleißig lernen, damit es später am besten auch mit dem Gymnasium klappt, dazu noch zahlreiche Instrumente lernen und Sport und andere Hobbys nachgehen.
Wie wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, leidet jedes sechste Kind und jeder fünfter Jugendlicher in Deutschland unter hohem Stress. Die Studie „Burn-Out im Kinderzimmer“ der Universität Bielefeld fördert Alarmierendes ans Licht.

Anzeichen für Stress bei Kindern

Gerade bei Kindern sin die Symptome bei Stress teilweise enorm. Es können Depressionen und Versagensängste darauf resultieren. Am häufigsten treten zudem Appetitlosigkeit, Aggression und Schlafstörungen auf. Die Anzeichen für den Stress bei Kindern können je nach Kind ganz unterschiedlich sein. Mädchen neigen zur Verschlossenheit und ziehen sich häufig zurück. Sie werden ruhiger, sprechen nicht mehr so viel über Erlebtes und haben schlechte Laune. Ein anderes Anzeichen kann ein nicht erklärbarer Abfall der schulischen Leistungen sein.

Häufigste Stress-Symptome: Bauch- und Kopfschmerzen

Laut Wissenschaftlern zählen Kopfschmerzen und Bauschmerzen zu den häufigsten Symptomen von Stress. Aber auch andere körperliche Beschwerden können ein Anzeichen sein. Etwa Verspannungen, starke Unruhe, ein trockener Mund und Herzklopfen. Der Körper zeigt und, wenn er sich auf Stress einstellt. Generell gilt: je jünger das Kind, desto körperlicher reagiert der Organismus auf den Stress. Also etwa mit Kopfschmerzen, Bauschmerzen, Durchfall oder Übelkeit. Später können dann Ängste und Depressionen dazukommen.

Das passiert in unserem Körper bei Stress

Unser Körper produziert in Stresssituationen Noradrenalin und Adrenalin. Die Botenstoffe verteilen sich im Nu im ganzen Körper. Das hat einen beschleunigten Herzschlag und eine erhöhte Aufmerksamkeit zur Folge. Der Körper ist in Alarmbereitschaft. Der Atem beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an. Wegen der Beschleunigung des Stoffwechsels wird auch die Flüssigkeitsverteilung des Körpers anders aufgeteilt. Unsere Hände werden feucht und der Mund trocken. Wenn nach dem Stress und der Anspannung eine Erholungsphase folgt, kommt der Körper zurück ins Gleichgewicht und erholt sich. Wenn es allerdings zu einer Dauerstresssituation kommt und keine Entspannungsphasen folgen, entstehen Stress-Symptome.

Woher kommt der Stress bei Kindern?

In der Stress-Studie von 2015 haben sich die Wissenschaftler ganz genau mit der Frage beschäftigt, welche Ursache Stress bei Kindern hat. Am häufigsten waren es zu wenig Zeit ohne „Verpflichtungen“, die Erwartungshaltung der Eltern oder selbst gesteckte Erwartungen sowie ein hoher Termindruck durch Arzttermine oder Hobbys. Die meisten Eltern nehmen den Stress nicht einmal bei den eigenen Kindern bewusst wahr. Nicht einmal ein Viertel der Eltern von Kindern mit einem besonders hohen Stresslevel gaben bei einer Befragung an, dass sie vermuten, dass das Kind unter Stress leide. Die Eltern tragen dabei nicht immer die Schuld an der Situation. Oft stecken sich Kinder selbst zu hohe Ziele oder denken, dass die Eltern entsprechende Erwartungen haben, die sie nur schwer erfüllen können. Außerdem können eine mediale Reizüberflutung, der rein schulische Leistungsdruck und andere Dinge einen Beitrag zur Belastung leisten.

Stress kann krank machen

Stress sorgt dafür, dass der Körper in Alarmbereitschaft ist. Das ermöglicht uns geistige Höchstleistungen. Stress ist also nicht immer gleich schädlich. Problematisch wird es allerdings, wenn Kinder sich im Dauerstress befinden. Stressbewältigungsmaßnahmen sind in einer solchen Situation enorm wichtig. Eine gestresste Kindheit kann starke Auswirkungen auf die Zukunft haben. Psychische Krankheiten, Kriminalität, Drogenkonsum und Diabetes sind nur einige Beispiele.

Was gegen den Stress bei Kindern tun?

Wie immer gilt: Einsicht ist er erste Weg zur Besserung. Um etwas gegen den Stress tu tun, muss dieser erst einmal erkannt und wahrgenommen werden. Den meisten Elternteilen ist die Situation nicht wirklich bewusst. Das liegt auch daran, dass Kindern nicht über Stress klagen und in Worte fassen können, dass sie sich gerade überfordert und unglücklich fühlen.

Stellen Sie sich einmal selbstkritisch die Frage, ob das Kind durch den Alltag gestresst sein könnte. Ist dieser stark bestimmt vom Blick auf die Uhr? Wie läuft der Morgen ab? Muss das Kind schnell Zähne putzen und frühstücken, während Sie nebenbei die Wäsche aufhängen, sich fertigmachen und noch nebenbei schnell die Pausenbrote schmieren müssen oder ist die Situation am Morgen recht entspannt? Wie sieht es mit dem Nachmittag aus? Besteht zwischendrin einmal Zeit für einen ruhigen Spaziergang, eine kleine Kuscheleinheit, ein Buch, ein Hörspiel oder eine Spielerunde oder ist auch die Zeit nach der Schule streng durchgetaktet mit Arztterminen und Hobbys?

Alle Eltern wollen nur das Beste für das eigene Fleisch und Blut. Dabei sollte das Kind selbst aber nicht übersehen werden. Vielleicht gefiele es dem Kind besser, wenn statt Klavierunterricht, Fußball und Pfadfindertreffen einmal eine Stunde Spielerunde mit den Eltern auf dem Terminplan stehen würde.

Wenn Sie schon vermuten, dass Ihr Kind gestresst ist und vom Alltag überfordert ist, forschen Sie selbstkritisch nach den Ursachen. Dabei müssen Sie sich selbst nicht die Schuld geben, denn oft kommen mehrere Faktoren zusammen, die den Stresspegel bei Kindern nach oben treiben. Hier ein paar grundlegende Tipps und Fragen bei Stress bei Kindern:

1. Entschleunigung

Sehen Sie sich einmal kritisch den Terminkalender des Kindes an. Wie voll ist dieser? Nehmen Sie jede einzelne Aktivitäten unter die Lupe und überlegen Sie, wie wichtig diese sind, ob das Kind dies gerne tut, oder ob es vielleicht schon länger immer wieder unzufrieden in die Ballettstunde gegangen ist. Im Laufe der Woche sollte es neben der Schule ausreichend Freiraum geben.

2. Sprechen

Reden Sie mit den Kindern über die Aktivitäten am Nachmittag und über die anstehenden Termine am Wochenende. Was macht den Kindern besonders viel Spaß? Was wird eher als reine Pflichterfüllung angesehen? Starten Sie ein Experiment und überlassen Sie ihrem Kind für eine Woche die Planung. Dabei kann das Kind selbst planen, ob es zum Sport, Musikunterricht oder der Bastelstunde gehen möchte. Dabei zeigt sich recht gut, was das Kind als Überforderung ansieht. Laut Studien empfinden Kinder Termine, die ihnen eigentlich nicht wirklich Spaß machen, als besonders stressig.

3. Langeweile?

Kommt das überhaupt noch vor? Was tut das Kind an einem Nachmittag, der einmal zur kompletten freien Verfügung steht? Sorgen Sie dafür, dass nicht jeder freie Nachmittag gleich wieder mit Verabredungen mit Freunden gefüllt werden. Das Kind sollte auch einmal ein paar Stunden Zeit mit sich selbst haben, um zur Ruhe zu kommen. Wenn das Kind einmal über Langeweile jammert, bieten Sie zur Ablenkung nicht gleich Dinge an. Das Kind soll selbst Ideen entwickeln und dabei lernen, mit Langeweile richtig umzugehen.

4. Ein bisschen Stress muss sein

Belastungen gehören zu unserem Leben dazu und es geht bei der Bewältigung von Stress nicht darum, sämtliche Stresssituationen zu verhindern. Kinder müssen eigenständig individuelle Konzepte entwickeln, mit solchen Situationen umzugehen. Als Eltern können Sie dabei Unterstützung leisten. Etwa mit Tipps, wie sie das Zimmer besonders schnell und gut aufräumen können oder wie sie sich nach dem Streit wieder mit dem besten Freund vertragen können.

5. Schule

Wie ist die Situation in der Schule? Gibt es irgendwelche Probleme? Sind die schulischen Leistungen gesunken oder gibt es zwischenmenschliche Probleme mit Mitschülern oder Lehrern? Hat das Kind vielleicht Versagensängste und wacht oft mit Bauschmerzen auf? Sprechen Sie mit dem Kind über die Schule und kontaktieren Sie bei Verdacht Erzieher oder Lehrer.

6. Hinterfragen

Stellen Sie sich die Frage, wie Sie mit Stress umgehen? Halten Sie den Stress von den Kindern fern oder betonen Sie in jedem zweiten Satz, dass sie gerade keine Zeit haben, weil sie im Moment furchtbar im Stress sind? Versuchen Sie eine gewisse Gelassenheit vorzuleben und halten Sie den Stress nach Möglichkeit von den Kindern fern.

7. Rituale

Bestimmte Rituale bringen Ruhe und Ordnung in das Leben jeder Familie und damit auch in das Leben jeden Kindes. Das kann zum Beispiel eine Mahlzeit zur immer gleichen Zeit, das Vorlesen vor dem Schlaf oder gemeinsames Beten vor dem Abendessen sein.

8. Mediennutzung

Zu den häufigsten Gründen für ein hohes Belastungslevel ist die Reizüberflutung durch Medien. Grenzen Sie den Fernsehkonsum also ein und stellen Sie klare Regeln auf. Auch mit Tablets und Smartphones sollten Kindern nach Möglichkeit so spät wie möglich konfrontiert werden – auch wenn der Gruppenzwang seinen Beitrag leistet.

9. Antistress-Coaching

Bei einem Coaching können Kinder verschiedene nützliche Entspannungstechniken üben. Einige Krankenkassen bieten solche Kurse zur Prävention gegen Stress bei Kindern an. Kinder lernen hier mit Belastungen richtig umzugehen.

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